Institut für künstliche Augen Rothhaupt

Der Ocularist

Augenprothesen aus Glas oder Kunststoff werden von Spezialisten hergestellt und eingepasst, deren berufliche Fachbezeichnung „Ocularist“ ist.
Der Ocularist fertigt die Augenprothese an und passt diese dem Patienten an. Er berät und betreut den Patienten in allen Fragen der Ocularistik und führt augenprothetische Versorgungen durch, die im Zusammenhang mit medizinischen Maßnahmen stehen. Hierbei kann es sich um Versorgungen mit Interimsprothesen, Conformern oder Modellanpassungen nach operativen Eingriffen handeln.

 

 

Die Tätigkeit des Ocularisten in Deutschland hat derzeit noch keine staatliche Anerkennung. Die Berufsausbildung verläuft jedoch in zwei Stufen mit jeweiliger Prüfung durch die Berufsverbände DOG/AOV. Die daraus resultierende Berufsqualifikation entspricht den vom SGBV geforderten Anforderungen und wird von den Sozialversicherungsträgern als Qualitätsmerkmal anerkannt.

Der Beruf des Ocularisten im Wandel der Zeit

Wie viele andere Berufe, so hat auch der ocularistische Beruf im Lauf der Jahre einen Wandel erfahren. Die Bedürfnisse der Patienten sind andere geworden und auf die rasche Entwicklung im medizinischen Bereich müssen Antworten gefunden werden. Im vergangenen Jahrhundert wurden Kunstaugen fast ausschließlich in Form von Schalen gefertigt. Dies hatte jedoch Nachteile. Waren die Augenhöhlen tief, gab es Ptosis und Liddeformationen. Dünnwandige Schalenaugen brachten kaum eine entsprechende Füllmasse, um anatomisch und ästhetisch ein zufriedenstellendes Resultat zu erzielen. Dies bedeutet, dass andere Formen von Augenprothesen entwickelt werden mussten.

 

In der Vergangenheit konnten es sich nur wohlhabende Bürger leisten, ihre Augenhöhle mit einem Kunstauge zu versorgen. Der arme Bauer, Knecht oder Soldat lief mit leerer Höhle umher oder trug eine Klappe. So wurde zum Beispiel der Seeräuber vorzugsweise mit Augenklappe und Holzstumpf als Beinersatz dargestellt. Aber allein aus der Tatsache des Tragens der Augenklappe muss man schließen, dass die Menschen den Defekt und den Augenverlust vor den Blicken der Übrigen verbergen wollten.

Das menschliche Auge ist an exponiertester Stelle des Körpers. Bei vielen Kulturen ist es Symbol für Licht und Gottheit. Der Verlust galt als Strafe und bedeutete häufig auch die Zerstörung der Seele. Sind die Augen das Tor zur Seele? Spirituelle Irisdiagnostiker wollen aus den Iriden erkrankter Menschen die Ursache der Leiden erkennen und behandeln.

Eines ist jedoch klar: wir versuchen immer zuerst das Auge des Gegenübers zu erkennen und zu enträtseln. Augen drücken so unendlich viele Gefühle, Empfindungen und Neigungen der Menschen aus. Liebe, Hass, Mitleid und Aggressionen spiegeln sich in ihnen wider und sie sind das Sinnesorgan, das am stärksten die jeweilige Empfindung des Menschen prägt. Dies ist eine wichtige Erkenntnis für den Ocularisten. Seine Aufgabe besteht nicht nur darin, dem Patienten eine klaffende Öffnung im Kopf mittels eines Ersatzstücks zu schließen, sondern er muss sich seiner Aufgabe bewusst sein, den Betroffenen physisch und psychisch zu rehabilitieren.

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Thema von Anders Norén