Institut für künstliche Augen Rothhaupt

Fragen und Antworten zur Augenprothese

Allgemeine Informationen zu Augenprothesen

Mit dem Verlust eines natürlichen Auges sind in den meisten Fällen physische und psychische Beeinträchtigungen verbunden. Diese können durch den prothetischen Einsatz von Kunstaugen reduziert oder gar verhindert werden.
Aus unserer langjährigen Praxiserfahrung wissen wir, welche Fragen und Sorgen bei Patienten entstehen. Aber wir wissen auch: Wer versteht, wie mit einer Augenprothese umzugehen ist, der fühlt sich sicher und kann selbstbewusst auftreten und im Leben stehen.
Voraussetzung für ein angenehmes Tragen und einen problemlosen Sitz Ihres Kunstauges ist der richtige Umgang mit diesem und die sorgfältige Pflege der Prothese. Beides ist leicht umzusetzen, wenn einige Hinweise beachtet werden, die wir Ihnen im persönlichen Gespräch selbstverständlich ausführlich erläutern.

Eigenschaften Ihrer Augenprothese
  • Ihre Augenprothese ist eine Einzelanfertigung, die für Ihre Augenhöhle individuell hergestellt und angepasst wird. Als Material wird Kryolit-Glas verwendet. Dieses hochwertige Spezialglas, das in Deutschland seit ca. 1850 in der Glasaugenherstellung bekannt ist, wird nur von zwei Glashütten der Welt in einem bis heute geheimgehaltenen Verfahren hergestellt. Nach wie vor erweist sich Kryolit-Glas im Bereich der Augenprothetik als äußerst vorteilhaft, da es frei von jeglichem Bleigehalt ist. Diese Eigenschaft garantiert wegen der sehr widerstandsfähigen Oberfläche des künstlichen Auges gegenüber der stark atzenden Tränenflüssigkeit eine optimale Schleimhautverträglichkeit.
  • Künstliche Augen aus Glas werden hohl oder als sehr dünne Schalenprothesen gefertigt. Die jeweilige Prothesenart muss von Ihrem Augenpraktiker je nach Beschaffenheit Ihrer Augenhöhle bestimmt werden.
  • Die guten Trageeigenschaften Ihrer Prothese ermöglichen Ihnen einen optimalen Bewegungsspielraum bei Arbeit, Freizeit und Sport. So können Sie z. B. mit Ihrer Prothese Schwimmen gehen. Wegen möglicher Wasserverunreinigungen sollten Sie allerdings vorsichtshalber eine Schwimmbrille benutzen.

Bearbeitung eines Kunstauges

 

Vom Rohglas… 

...bis zum Halbfabrikat

 

 

Wie wird eine Enukleation des Auges durchgeführt? 

Die Enukleation, also die Entfernung des Auges wird unter Vollnarkose durchgeführt. Die Entfernung des Auges ist ein unwiderruflicher Eingriff. Es gibt keine Möglichkeit, das entfernte Auge später wieder zu ersetzen. Nach der operativen Entfernung des Auges aus der Augenhöhle wird meist eine Silikonkugel, ein sogenanntes Implantat, in die Augenhöhle eingesetzt. Die Augenmuskeln sowie die Bindehaut werden über diesem Implantat vernäht, sodass eine Bewegung des Implantats und später der Augenprothese ermöglich wird.

 

In der Regel können Patienten nach einer Entfernung des Auges das Krankenhaus nach 2-3 Tagen wieder verlassen. Nach der endgültigen Abheilung der Wunde wird nach ca. 4-8 Wochen von einem Ocularisten eine Prothese, also ein künstliches Auge aus Glas, angefertigt. Diese Prothese wird in den schmalen Spaltraum hinter den Augenlidern eingeführt. Wenn sich nun das andere Auge bewegt, wird über die in der Augenhöhle verbliebenen Augenmuskeln auch die eingesetzte Glasprothese in einem gewissen Umfang mitbewegt. Die Bewegung des Glasauges kann dabei natürlich nicht genau so ausfallen wie beim noch vorhandenen Auge, doch die im Alltag am häufigsten auftretenden Augenbewegungen werden von dem Glasauge „normal“ mitgemacht. Daher kann eine gut angepasste Glasprothese oftmals kaum von einem natürlichen Auge unterschieden werden.

Welche Konsequenzen hat die Entfernung des Auges? 

Mit der Entfernung des Auges geht natürlich auch die Sehfähigkeit dieses Auges verloren. Der Verlust dieser Sehfähigkeit ist unwiderruflich. Da nur noch ein intaktes Auge nach dem Eingriff verbleibt, verkleinert sich auch das Gesichtsfeld insbesondere auf der Seite, auf der das Auge entfernt wurde. Für praktische Belange bedeutet dies z.B. im Straßenverkehr, dass von der Seite des entfernten Auges kommende Autos erst sehr viel später wahrgenommen werden.

Mit dem Verlust eines Auges verliert man gleichzeitig auch einen Teil des räumlichen Sehvermögens (Stereopsis). Durch Übung in Form von Verrichtung alltäglicher Tätigkeiten kann eine Anpassung erreicht werden, so dass für praktische Belange nur eine begrenzte Beeinträchtigung besteht.

Viele Menschen haben durch Unfälle oder andere Ereignisse im Laufe ihres Lebens ein Auge verloren und führen trotzdem ein völlig normales, produktives Leben.

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Thema von Anders Norén